
Jede Geschichte zählt. Jede Stimme verdient Gehör.
Menschen, die mit medizinischem Cannabis behandelt werden, teilen hier ihre Erfahrungen. Über Lebensqualität, Herausforderungen und die Auswirkungen aktueller Entwicklungen auf ihre Versorgung.
Warum wir diese Plattform geschaffen haben
Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte. Für viele Patientinnen und Patienten war der Weg zu einer medizinischen Cannabistherapie lang, geprägt von Schmerzen, Einschränkungen, zahlreichen Behandlungen und der Suche nach einer Therapie, die ihnen wirklich hilft.
Diese Geschichten verdienen es, erzählt zu werden. Denn sie zeigen, was Zahlen und politische Debatten oft nicht vermitteln können: den Alltag der Menschen, ihre Herausforderungen, ihre Hoffnungen und die Bedeutung einer funktionierenden medizinischen Versorgung.
Mit dieser Plattform schaffen wir einen Ort, an dem Betroffene ihre Erfahrungen teilen können. Offen, ehrlich und authentisch. Jede Geschichte trägt dazu bei, Verständnis zu fördern, Vorurteile abzubauen und den Menschen hinter der Therapie sichtbar zu machen. Denn am Ende geht es nicht nur um Medizin, sondern um Lebensqualität, Würde und die Möglichkeit, ein selbst bestimmtes Leben zu führen.
J. 55 Jahre, Cannabispatient*in
Ich bin 1971 geboren, habe progrediente MS, bin zu 80% auf einen Rollstuhl angewiesen und seit 6 Jahren verdampfe ich offiziell.
Meine Diagnose habe ich 2014 bekommen (hatte es wohl schon ca. 10 Jahre) und da habe ich schon gewusst, was ich am Cannabis habe. Die Basistherapie habe ich abgelehnt.
Ich habe eine sehr lange Historie mit Cannabis. In den letzten 30 Jahren war ich nicht einen einzigen Tag ohne und bin trotzdem nicht abgerutscht, stehe voll im Leben, habe, soweit es mir kräftemäßig möglich ist, meine Hundeschule am Laufen gehalten.
Dokumentation über die Nutzung von Cannabisblüten und deren Wirkung:
Der Tag beginnt oft mit Wadenkrämpfen oder auch Spastiken in den Beinen, die versteifen sich völlig und das Aufstehen fällt mir sehr schwer. Tätigkeiten, wie sich anziehen, waschen, Zähneputzen, etc. alles ist begleitet von gelegentlichen Versteifungen der Muskeln und leider auch Schmerzen.
Vormittags beginne ich mit einer leichten Sorte, die aber nicht sedierend wirkt.
Je nachdem, wie sich der Rest des Tages gestaltet, bleibe ich entweder dabei. Am Ende des Tages steige ich auf Bedrocan um, damit ich besser schlafen kann.
Dieses wirkt sedierend und entspannt mich, so komme ich ohne Unterbrechung durch die Nacht.
Meldet sich jedoch mein Restless Leg, was leider nicht selten vorkommt, dann benötige ich unbedingt eine sehr starke Sorte, die mich müde macht und eher inaktiv, gleichzeitig aber auf keinen Fall eine sedierende Wirkung hat. Denn sobald ich etwas zur Beruhigung nehme, wird das Bein aktiver. Je aktiver ich bin, je ruhiger ist das Bein, und da reicht es auch manchmal, sich die ganze Nacht lang in kreative Dinge zu stürzen, bis ich vor Müdigkeit umfalle.
Habe ich keine starke, passende Sorte, treibt mich das zappelnde Bein regelrecht in den Wahnsinn und es kann sich manchmal bis zu vier fünf Nächte hinziehen, dass ich keinen Schlaf finde. Gelegentlich zeigt sich dieser Tick auch in meinem linken Arm. Glücklicherweise ist es sehr lange her, dass das RLS vorgekommen ist, denn ich habe mittlerweile für mich herausgetüftelt, welche Cannabisblüten sich da am optimalsten einsetzen lassen.
Eine starke Sorte eignet sich auch prächtig, wenn ich diese unerklärlichen Gefühlsstörungen habe, Kribbeln, Schmerzen in den Gelenken oder Knochen, die ich auf kein Ereignis zurückführen kann, sich aber so anfühlen, als hätte ich mich gerade eben schwer geprellt. Dieses Ziehen kann ich wunderbar damit beheben.
An dieser Stelle wäre vielleicht noch zu betonen, dass keine Schmerztablette so schnell wirkt, wie das Verdampfen der Blüten
Das Verdampfen der Blüten ermöglicht mir, die Wirkung zeitlich punktuell einzusetzen, damit meine ich nicht nur, wie schnell es wirkt, sondern auch, dass ich es in der Hand habe, wann die Wirkung nachlässt oder ich sie nicht mehr brauche.
Ich neige dazu mich zu verschlucken. Wenn ich gut eingestellt bin für den Tag, kommt das so gut wie gar nicht vor. Wenn ich aus irgendwelchen Gründen länger nicht dazu gekommen bin, zu verdampfen, dann merke ich es beim Sprechen und Trinken.
Auch meine Gehfähigkeit hängt davon ab.
Die MS hält immer neue Überraschungen bereit. Es gibt viele kleine Macken, denen ich mit meinen Blüten etwas entgegenhalten und gelassener entgegensehen kann.
Völlig unverzichtbar ist das Verdampfen von Blüten für mich, wenn ich einen Schub habe, dann kommt alles zusammen.
Ich bin der Meinung, dass ich ohne die Blüten öfter Schübe hätte. Ich halte die naturgegebene biologische Effizienz der Zusammensetzung aller Bestandteile einer Blüte für nicht ersetzbar durch synthetisch nachempfundene Ersatzmittel und ich befürchte eine Verschlechterung meines Verlaufes und meiner Lebensqualität.
Nun stehe ich vor der Wahl:
Mein Zuhause verkaufen, das ich lange und mit vielen Entbehrungen verbunden erarbeitet habe, um die Therapie privat zahlen zu können, oder Verzicht darauf, um in meinem Haus ein Pflegefall zu werden. Sozialer Abstieg oder gesundheitliche Abstieg…
E. 39 Jahre, Cannabispatient*in
Medizinisches Cannabis ist das Einzige, das bei mir wirkt und mir hilft, ohne dass ich Nebenwirkungen erleiden muss. Ich inhaliere es durch einen Vaporizer, manchmal auch in Form eines Joints, und es hilft mir extrem gegen meine Nervenschmerzen.
Ich leide unter Borreliose und habe zusätzlich durch mehrere Operationen am Kopf chronische Nervenschmerzen im Bereich des Nervus trigeminus.
Seit circa 2021 erhalte ich medizinisches Cannabis, welches ich immer vollständig selbst bezahle.
Ich belaste somit den Staat nicht. Sobald ich mein medizinisches Cannabis einnehme, kann ich wieder am Leben teilnehmen, arbeiten gehen, Sport machen und den Alltag wie gesunde Menschen schmerzfrei bewältigen.
Ein erneutes Verbot wäre für mich und viele andere Betroffene eine absolute Katastrophe
F. 34 Jahre, Cannabispatient*in seit 2018
Zu Beginn meiner Therapie 2018 kostete ein Gramm Blüten hier in der Apotheke 14 €, was damals schon relativ günstig war, im Vergleich zu den meisten anderen Apotheken. Dies galt hier auch nur für die Sorte Bedrocan.
Zu dieser Zeit war ich über das Jobcenter von einem Amtsarzt per Gutachten als arbeitsunfähig eingestuft. Damals waren nicht mal 2 Stunden pro Tag möglich.
Das war der Grund für den Einstieg in eine Medikation.
Im April 2019, etwa 5 Monate nach dem Start der Therapie, wurde mir dann endlich das erste offizielle Rezept von einem niedergelassenen Kassenarzt ausgestellt.
Damals 5g Bedrocan.
Mir war wichtig, dass alles LEGAL ist, es wurde aber leider schnell klar, dass dies nicht bezahlbar für mich ist.
So stellte ich einen Antrag auf Kostenübernahme im Februar 2019, welcher natürlich direkt abgelehnt wurde. Der Widerspruch zog sich dann noch knapp 9 Monate bis ich Ende 2019 die Klage vor dem Sozialgericht angestrebt habe.
Das Verfahren vor dem Sozialgericht Münster zog sich ewig hin.
Man muss hier erwähnen, der Erste Versuch eines Antrages war von vorn herein zum Scheitern verurteilt, da dieser unvollständig war. Der damals behandelnde Arzt war der Auffassung die Kasse würde alles Nötige einfordern.
Der 2. Antrag war in Vollständig, es hat nichts gefehlt.
Cannabisblüten im Alltag bedeuten für mich, SELBSTBESTIMMTES LEBEN.
Ohne die Blüten, habe ich extreme Schwierigkeiten, den normalen
Tag-/Schlafrhythmus meiner Familie einzuhalten, kann kaum einen Gedanken oder eine Handlung zu Ende bringen, weil ich entweder den roten Faden verliere oder von etwas abgelenkt werde, das mich dann wieder kurzzeitig einnimmt, bis der Vorgang sich wiederholt und ich am Ende des Tages vor 1000 halb abgearbeiteten Problemen oder Aufgaben stehe.
Ich habe nun in meinem Leben zwei Mal die Hölle der Nebenwirkungen von Medikinet, Strattera und Elvanse über mich ergehen lassen, um die Kostenübernahme bekommen zu können. Ich habe wirklich Sorge davor, wie es nächsten Monat weiter gehen soll.
Fazit meinerseits:
Ohne Cannabis bin ich ein unreflektierter, unsympathischer, unaufmerksamer, hyperaktiver und hypernervöser Vater, der andauernd Termine oder Absprachen nicht einhalten kann. Sich Dinge nicht merken kann, Aufgaben und Abläufe nicht zu Ende bringt, impulsiv reagiert und sich eigentlich 1000 Mal am Tag bei seinen Kindern entschuldigen muss, weil Papa mal wieder keine Stütze oder Hilfe sein kann, da er zu sehr mit sich selbst und den eigenen Dämonen beschäftigt ist.
All das hat mich so vieles in meinem Leben gekostet. Ich habe so vieles verloren oder verpasst, vor allem in Bezug auf meine Kinder.
Ich könnte hier noch so viel mehr schreiben, es ist in den letzten 5 Jahren seit der Medikation mit Cannabisblüten in meinem Leben so viel Positives passiert, ich habe so viele Dinge erreicht, die ich ohne eine stabile Medikation niemals erreicht hätte.
M. 55 Jahre, Cannabispatient*in
Ich bin 55 Jahre alt und leide seit vielen Jahren unter schweren chronischen Erkrankungen. Dazu gehören Fibromyalgie, chronische neuropathische Schmerzen, sensomotorische Polyneuropathien sowie mehrere Bandscheibenschäden. Aufgrund meiner Erkrankungen bin ich seit vielen Jahren voll erwerbsgemindert.
Bevor ich Cannabis verschrieben bekam, lagen viele Jahre mit unzähligen Therapieversuchen hinter mir. Medikamente wie Tilidin, Lyrica oder Palexia konnten meine Schmerzen entweder nicht ausreichend lindern oder verursachten erhebliche Nebenwirkungen. Ich habe Cannabis nicht gewählt, weil ich Cannabis wollte – ich habe Cannabis verschrieben bekommen, weil nahezu alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft waren.
Seit 2017 werde ich mit medizinischen Cannabisblüten behandelt. Die Therapie wurde nach sorgfältiger Prüfung von meiner Krankenkasse genehmigt und wird seitdem kontinuierlich ärztlich begleitet.
Cannabisblüten haben meine Erkrankungen nicht geheilt. Aber sie haben mir etwas zurückgegeben, das ich schon verloren glaubte: Lebensqualität.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren konnte ich wieder besser schlafen, meine Schmerzen wurden erträglicher und ich war wieder in der Lage, meinen Alltag, zumindest teilweise, zu bewältigen. Für gesunde Menschen mögen das selbstverständliche Ding sein. Für chronisch Schmerzkranke bedeuten sie ein Stück Würde und Selbstständigkeit.
Für mich ist die inhalative Anwendung medizinisch unverzichtbar. Sie wirkt innerhalb weniger Minuten und ermöglicht es mir, die Dosierung an die jeweilige Schmerzintensität anzupassen. Gerade bei starken Schmerzspitzen ist dieser schnelle Wirkungseintritt entscheidend. Mit Ölen oder anderen oralen Präparaten konnte ich diese zuverlässige Steuerbarkeit nie erreichen.
Deshalb macht mir die geplante Streichung der Kostenübernahme für Cannabisblüten große Angst.
Es geht dabei nicht um den Wunsch nach einer bestimmten Darreichungsform oder um persönliche Vorlieben. Es geht um die einzige Therapie, die mir nach vielen Jahren des Leidens tatsächlich hilft.
Als Bezieher einer Erwerbsminderungsrente könnte ich die monatlichen Kosten einer Cannabisblütentherapie niemals selbst finanzieren. Sollte die Kostenübernahme entfallen, würde meine erfolgreiche Behandlung nicht aus medizinischen Gründen enden, sondern ausschließlich aus finanziellen.
Oft wird argumentiert, Cannabisblüten seien nicht ausreichend standardisiert. Meine Erfahrungen sprechen dagegen. Jede Charge, die ich aus der Apotheke erhalte, ist laborgeprüft und weist exakt dokumentierte THC- und CBD-Gehalte aus. Auf dieser Grundlage konnten meine behandelnden Ärzte meine Therapie über Jahre erfolgreich einstellen.
Ich wünsche mir keine Sonderbehandlung.
Ich wünsche mir lediglich, dass auch künftig Ärzte gemeinsam mit ihren Patientinnen und Patienten über die medizinisch geeignete Therapie entscheiden können – und nicht eine pauschale gesetzliche Regelung.
Hinter jeder gesetzlichen Entscheidung stehen Menschen.
Ich bin einer von ihnen.
R. 44 Jahre, Cannabispatient*in
Ich habe Jahrzehnte der Strafverfolgung hinter mir. Meine Tagesmenge ist 7.5g, das sind 225g in Monat.
Das neue Gesetz wird mich zwangsweise wieder vor den Strafrichter führen.
Seit der Entscheidung leide ich jeden Tag an Depressionen. Es ist eine psychologische Umkehr, jedes Gramm Cannabis, das jetzt konsumiert wird, bringt mich nur schneller zur Katastrophe.
Ich konsumiere jetzt schon bei weitem nicht mehr die benötigte Tagesmenge, aus Angst bald ganz ohne Medizin da zu stehen und dadurch sind meine Symptome voll ausgeprägt.
Das ist gefährlich für jeden in meiner Nähe da ich eine Impuls-Kontroll-Störung habe und zu Gewaltausbrüchen neige, wenn ich entsprechend getriggert werde. Entsprechende Vorstrafen bestätigen dies.
Und das alles hatte ich mit meinen Cannabis Blüten unter Kontrolle.
Auch der Eigenanbau ist für mich aus mehreren Gründen keine Option. Erstens müsste ich weit mehr anbauen als legal ist, zweitens müsste ich weit mehr lagern als legal ist und das Wichtigste: ich bin kein guter Grower! Von medizinischer Qualität kann bei mir, wenn ich es selber herstellen muss, also gar keine Rede sein. Des Weiteren ist auch nicht sicher, dass ich lückenlos versorgt bin, denn ich habe schon mal angebaut und es ist oft schiefgegangen. So, dass nur sehr wenig, kein oder sehr minderwertiger Cannabis am Ende rausgekommen ist.
Dazu kommt, dass ich mir die Anschaffung der entsprechenden Ausrüstung, sowie die laufenden Kosten, wie Stromverbrauch, nicht leisten kann.
Am Ende sehe ich mich wieder vor den Strafgerichten, sei es wegen Cannabis in zu hoher Menge oder wegen meiner Impulskontrollstörung.
Beides war geregelt. Und es hat gut funktioniert mit den Blüten.
B. xx Jahre, Cannabispatient*in
Leider terrorisiert meine Krankenkasse meine Ärzte und droht ihnen mit Regress und Ruin, daher will mein behandelnder Arzt zum Ende des Quartals niemandem mehr Cannabis verschreiben, egal in welcher Form. Aus Angst!
Die Krankenkasse, ihrerseits, antwortet nicht auf meine Fragen und leugnet das es überhaupt Geldforderungen gegen Ärzte bereits gibt.
Die Ärzte tun mir leid! Aber sie taugen, in diesem Fall, nicht als Verbündete der Patienten, wegen zu unterschiedlicher Interessenlagen. Leider höre ich immer öfter, dass sich diese Fälle in letzter Zeit häufen. Die Methoden meiner GKV lassen für mich nur eines plausibel erscheinen: die Kasse zu wechseln, so bald wie möglich, wer weiß wozu die noch fähig sind?!?
Da ich in Hamburg lebe, gibt es bei geringem Einkommen keinen Beratungsschein für Anwälte, hier muss man zur öffentlichen Rechtsauskunft (ÖRA). Da wartet man immer stundenlang, egal ob alt oder schwerbehindert. Das Ganze ist, meiner Meinung nach, in so einem Fall sowieso sinnlos, weil es bei der flexiblen und unsicheren Situation nicht bei einer einmaligen Erstberatung bleiben kann.
Bis jetzt ist zu vieles nicht klar geregelt und muss sich noch zeigen.
Es bleibt spannend, soviel steht fest.
Z. xx Jahre, Cannabispatient*in
Ich habe eine Ausnahmegenehmigung für die Diagnose ADHS erhalten.
Als das Gesetz im April 2017 in Kraft trat stellte ich einen Antrag auf Kostenübernahme. Dies wurde seitens der Krankenversicherung abgelehnt. Darauf reichte ich Klage beim Sozialgericht Berlin ein, für die Kostenübernahme der Cannabisblüten.
Im April 2017 erhielt ich eine vorläufige Kostenübernahme bis zum Ende der Hauptverhandlung.
Es kam mir vor, als täten der MDK und die Krankenversicherung alles, um nicht die Therapiekosten zu übernehmen.
Ich wandte mich mit dem vorläufigen Urteil an den ACM, welcher mir einen Anwalt zur Verfügung stellte.
Nachdem dieser die Klage übernommen hatte, war der Fall sehr schwierig.
Es wurde mit allen Tricks und allen Mitteln immer wieder abgelehnt. Ich war medikamentös aus therapiert gewesen. Dann fiel der Krankenversicherung auf, dass mir vielleicht eine Verhaltenstherapie helfen könnte.
Ich musste mir einen Therapeuten suchen. Dies war fast unmöglich, da mich alle Therapeuten wegen des Cannabiskonsums ablehnten.
Erst nachdem meine Ärztin dies nicht mehr hinnahm und sich einbrachte, wurde eine Therapeutin gefunden und mir vorgestellt.
Aus der Verhaltenstherapie wurde eine Traumatherapie.
Ich bekam die Diagnose komplexe PTBS. Meine Therapeutin erkannte, dass mir die Blüten am besten helfen. Mit ihnen kann ich mein Leben gut und ordentlich strukturieren und mir, vor allem, ein soziales Leben ermöglichen.
Durch den ganzen Stress und die neue Diagnose, sowie die Aufarbeitung der PTBS, fiel ich in die volle EM-Rente. Seelisch war ich nicht mehr arbeitsfähig.
Durch meinen Anwalt haben wir es nach knapp 3,5 Jahre Verfahren geschafft, dass ich über einen Gerichtsgutachter ein Gegengutachten einholen durfte. Ich wurde 4 Stunden begutachtet. Der Gutachter sprach sich dafür aus, dass mir die Cannabisblüten am besten helfen. Es gab ein 41-seitiges Gutachten, in welchem meine Diagnose und auch ich genau beschrieben wurden.
Im September 2020 wurde mir, auf Grundlage dieses Gutachtens, die Kostenübernahme von der Krankenversicherung, mit zusammengebissen Zähne, erteilt.
Nachdem ich endlich die Kostenübernahme erhalten habe war ich richtig glücklich. Ich wusste, jetzt hast du eine Chance dein Leben nochmal lebenswert zu machen.
Ich fing wieder an zu arbeiten. Anfangs als Mini Jobber, nach 6 Monaten konnte ich bereits Teilzeit mit 30 Wochenstunden arbeiten. Ein weiteres Jahr später, bin ich in Vollzeit gewechselt und habe mich bis zum Abteilungsleiter hochgearbeitet. Ich bin bei demselben Unternehmen angestellt. Ich war noch nie so lange in einem Unternehmen angestellt. Zuvor verlor ich nach kurzer Zeit meine Anstellungen. Dank der Cannabis-Therapie habe ich mich im Griff, so dass es auf Arbeit super gut läuft.
Dank der Cannabis Therapie war es mir möglich wieder am Arbeitsleben und sozialen Leben teilzunehmen.
Und jetzt, muss man mit großen Schrecken feststellen, dass dies eine Ende haben soll. Dass die Kosten nicht mehr übernommen werden sollen. Dies würde für mich bedeuten, dass ich wieder alles verlieren werde. Alles was ich mir in den letzten Jahren aufgebaut habe.
Ich befürchte, dass ich dadurch wieder in die Schuldenfalle geraten werde, da ich mir die Therapie nicht leisten kann.
Zu meinen Diagnosen ADHS und komplexe PTBS kam jetzt leider noch eine Krebs Diagnose dazu.
Meine Ärzte stehen fest hinter mir und werden mich mit aller Möglichkeit unterstützen.
Deswegen habe ich mich der Verfassungsklage beim ACM angeschlossen habe. Ich möchte unsere Rechte auf Cannabis-Medizin nicht verlieren.
Es darf nicht passieren, dass wir Patienten wieder alleine gelassen werden.
Ich bedanke mich, dass ich meine Geschichte erzählen konnte.
A. 60 Jahre, Cannabispatient*in
Ich bin eine deutsche Cannabispatientin. Und ich weiß, dass der einzige Weg nach vorne der Kampf ist, nicht das Aufgeben!
Das Erste, was du wissen solltest: Egal was ich sonst in meinem Leben getan habe, ich bin genau wie du. Ich brauche Cannabis, um normal funktionieren zu können. Der Kampf um Behandlung begann, als ich vor 18 Jahren an Dystonie erkrankte.
Dystonie ist eine seltene Bewegungsstörung – eine Art Kreuzung aus Parkinson, MS und essentiellem Tremor. Als ich schließlich 2008 in New York City diagnostiziert wurde, konnte ich weder richtig sprechen noch gehen.
Dann kam der Horror, gegen alle „bekannten" Behandlungen für eine notorisch therapieresistente Erkrankung allergisch zu sein.
Ich überzeugte meinen Arzt, mir Dronabinol zu erlauben, aufgrund von Daten, die ich in einer kanadischen Studie gefunden hatte.
Dronabinol war ein Anfang. Aber es dauerte ewig, bis es wirkte, verursachte fürchterliche Kopfschmerzen und entspannte die Muskeln nicht richtig. Blüten wirkten.
Ich konnte wieder sprechen lernen – ein dreijähriger Prozess.
Aber der Prozess zerstörte mein Leben. Ich ging von der Arbeit an der Wall Street in die Armut, in einem Land, in dem es keinen Krankenversicherungsschutz und kein soziales Netz gibt.
Nachdem ich anfing, besser zu werden, machte ich mich auf nach Deutschland, um etwas zurückzugewinnen, worum ich mich über zwanzig Jahre lang bemüht hatte – nämlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Mein Vater floh im Alter von 12 Jahren aus Frankfurt vor Hitler. Niemand aus meiner Familie durfte je zurückkehren.
Der Weg war nicht leicht. Ich musste Deutsch lernen, lernen, wie man hier das Leben meistert. Aber ich habe es geschafft!
Nachdem ich 2020 meine Staatsbürgerschaft vor dem Bundesverfassungsgericht gewonnen hatte, begann ich, zunächst die GKV-Mitgliedschaft und dann die Cannabis-Genehmigung zu beantragen. Dieser Kampf dauerte weitere drei Jahre. Ich wurde verhaftet, weil ich versucht hatte, mein eigener Cannabis anzubauen, aber zum Glück wurde das Verfahren 2023 wegen medizinischer Notwendigkeit eingestellt.
Gleich danach bekam ich endlich die Kostenübernahme. Es war eine riesige Erleichterung, auch wenn ich 2025 zur Rezertifizierung gezwungen wurde. Aber die letzten drei Jahre hatte ich endlich die richtige Behandlung, ohne über 1.000 Euro im Monat für Medikamente auszugeben oder das Risiko einzugehen, erneut strafrechtlich verfolgt zu werden.
Dann kam das GKV-Stabilisierungsgesetz – das die einzige Behandlung streicht, die ich vertrage. Also werde ich das tun, was ich hoffe, dass ihr alle, die dies lest, auch tut – für eure Rechte kämpfen!
Am 27. Juli habe ich meine erste rechtliche Maßnahme eingereicht. Nämlich einen Eilantrag beim Sozialgericht Frankfurt. Ich bin jetzt wahrscheinlich noch drei Wochen von meiner letzten Medikamentenladung entfernt – ich weiß nicht, ob ich mein Rezept nächsten Monat noch einlösen kann. Meine Versicherung schweigt. Mein erster Eilantrag vor Gericht zielt also darauf ab, die Einstellung der Behandlung zu stoppen, während mein größerer Verfassungsfall durch die Instanzen geht. Die Hauptklage reiche ich nächste Woche ein.
Ich habe außerdem verschiedene Beschwerden eingereicht, sowohl bei der Datenschutzbehörde (BfDI) als auch bei der Europäischen Union.
Deshalb schreibe ich das hier. Es ist dringend, dass auch ihr zurück kämpft. Eine Beschwerde zu verfassen ist nicht so schwer. Ihr braucht keinen Anwalt. Was ihr braucht, ist der Kampf. Kämpft für eure Rechte, und für andere Patientinnen und Patienten.
Fasst Mut. Aber bleibt nicht still. Und gebt nicht auf. Die Einschränkungen des GKV-Gesetzes bei Cannabisblüten sind verfassungswidrig. Es gibt problematische DSGVO-Fragen. Lasst diesen Moment nicht verstreichen. Ergreift die Gelegenheit. Und reicht eure Klage ein.
L. 65 Jahre, Cannabispatient*in
Im März 2017 konnte ich eine Therapie mit Cannabis-Blüten beginnen. Zuvor benötigte ich täglich 2-4 Schmerztabletten, die Magen, Darm und Leber belasteten und mich mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Gewichtszunahme.
Als ich das erste Rezept mit Kostenübernahme der KK bekam, gab ich alle Tabletten in der Apotheke ab und nahm mir vor, nichts Chemisches mehr zu mir zu nehmen.
Ich backte mir Kekse mit Blüten, ich aß, inhalierte und rauchte Cannabis-Blüten. Des Weiteren machte ich mir Öl zum Einnehmen. Mein Konsum lag bei ca.5 Gramm täglich.
Die Schmerzen lösten sich irgendwie auf.
Ich habe sehr viel geschlafen und ich hatte das Gefühl mein Körper erholt sich.
Die Übelkeit und das Erbrechen wurde immer weniger, bis es nach ca. 3 Monaten schließlich ganz weg war.
Aufgrund der Lieferengpässe musste ich sehr oft die Sorte wechseln und konnte Erfahrungen sammeln, welche Terpene, wieviel THC und CBD für mich geeignet sind.
Mein Zustand verbesserte sich täglich.
Inzwischen habe ich mit dem Magen keine Probleme mehr und kann wieder normal essen.
Der Darm ist sehr empfindlich, dennoch sind die Bauchschmerzen verschwunden.
Mit den chronisch körperlichen Einschränkungen kann ich mit der Dosis, die sich inzwischen auf 3 Gramm täglich eingestellt hat, leben.
Die volle Erwerbsminderungsrente erhalte ich seit 2020 .
Ich kann mir die Fortsetzung der Therapie mit Cannabis-Blüten nicht leisten und frage mich, wie ich nun einigermaßen schmerzfrei leben kann.
Vor längerer Zeit habe ich Extrakte der Fa. Tilray versucht, leider erzielten diese bei weitem nicht das Ergebnis, wie bei der Inhalation von Blüten. Und, bei der Umrechnung meiner Dosis, sind Extrakte nicht wesentlich günstiger als die Blüten.
Ich hoffe sehr, dass das neue Gesetz, welches die Kostenübernahme für Blüten ungültig macht, eine Lösung für sogenannte Härtefälle, bzw. der langjährigen Patienten bereithält.
Ich werde alles Mögliche dafür tun.
Soweit zu meiner Geschichte ich hoffe sie wird positiv für mich und andere Patienten enden!
D. xx Jahre, Elternteil eines/einer Cannabispatient*in
Mein Sohn, 36 Jahre alt, hat 2018 Familienunternehmen übernommen.
Drei Jahre später ist er an Leberkrebs erkrankt. Er hatte leider nicht weiter in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt und hat nur eine kleine Berufsunfähigkeitsversicherung von 1.098,00 € mtl. Hiervon muss er seine Krankenversicherung, Miete Strom, Telefon und alles weitere bezahlen.
Er hat Pflegestufe 3 und eine Schwerbehinderung von 100%.
Mit dem Pflegegeld, der Nachbarschaftshilfe von 131,00 € und der Verhinderungspflege kam er bisher einigermaßen zurecht.
Während der Chemotherapie bekam er Tabletten gegen Erbrechen und Übelkeit, welche er aber immer wieder erbrochen hat. (Daher Wertlos)
Das Erbrechen und die Übelkeit setzten sich leider auch nach der Chemotherapie fort. Deshalb haben wir Cannabis Blüten ausprobiert.
Diese konnte er über einen Verdampfer inhalieren und sie taten ihre Wirkung.
Nach einem Antrag vom Onkologen und meinem Sohn bei der Krankenkasse, wurden dafür auch die Kosten übernommen. Seit 2023 bekommt er nun Cannabis verschrieben und sein Leben hat wieder etwas mehr Qualität bekommen. Darüber haben wir uns alle sehr gefreut.
Und nun soll es das nicht mehr geben? Er hat nicht die finanziellen Möglichkeiten, um es selbst zu bezahlen.
Noch dazu ist jetzt auch eine Abhängigkeit entstanden da er seit 3 Jahren Cannabis konsumiert.
Diese Reform ist schlicht, menschenverachtend.
P. xx Jahre, Ehepartner*in eines/einer Cannabispatient*in
Ich wende mich heute mit einer großen Bitte an Sie.
Es geht nicht nur um meinen Ehemann. Es geht um viele schwer chronisch kranke Menschen, deren einzige wirksame Therapie möglicherweise wegfallen wird.
Mein Mann ist 50 Jahre alt. Seit einundzwanzig Jahren ist er als Access Management Administrator tätig. Trotz seiner schweren Erkrankungen arbeitet er bis heute weiter. Seit 2021 bezieht er eine teilweise Erwerbsminderungsrente. Trotzdem stand für ihn nie die Frage im Raum, seine Arbeit aufzugeben. Sein größter Wunsch ist es, weiterhin arbeiten zu können und seinen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.
Wer ihn heute kennenlernt, sieht einen chronischen Schmerzpatienten. Wer ihn früher kannte, sah einen Leistungssportler.
Schon als Kind gewann er zahlreiche Pokale und Auszeichnungen. Er spielte American Football, war erfolgreicher Wrestler und betrieb Leichtathletik. Später engagierte er sich als Coach im American Football und gab seine Erfahrung und seine Begeisterung an junge Sportler weiter.
Heute leidet er an einem schweren degenerativen Wirbelsäulensyndrom der Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule. Hinzu kommen chronische Schmerzen und neurologische Beschwerden, die seit vielen Jahren ärztlich dokumentiert sind. Bereits ältere medizinische Unterlagen beschreiben unter anderem Bandscheibenschäden, Radikulopathien, chronische Schmerzsyndrome sowie Kompressionen von Nervenwurzeln. Zusätzlich ist mein Mann Autist.
Trotz all dieser Diagnosen hat er niemals aufgegeben. Sein Ziel war immer, weiterhin berufstätig zu bleiben und nicht vollständig von staatlichen Leistungen abhängig zu werden.
Der Weg bis zu seiner heutigen Therapie dauerte viele Jahre. Wie bei jedem chronischen Schmerzpatienten, wurden zunächst sämtliche üblichen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft. Mein Mann musste alle Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide ausprobieren.
Das Ergebnis war außergewöhnlich. Selbst stärkste Opioide zeigten bei meinem Mann keine ausreichende schmerzlindernde Wirkung. Sogar Remifentanil + Sufentanil, eines der stärksten in der Medizin eingesetzten Opioide, wurde unter kontrollierten Bedingungen im Operationssaal getestet. Mehrere Ärzte begleiteten diesen Versuch und Gegenmittel lagen vorsorglich bereit. Trotzdem zeigte sich auch unter Sufentanil keine ausreichende Wirkung.
Nachdem alle Opioide keine wirksame Behandlung darstellten, erhielt mein Mann Dronabinol. Die Nebenwirkungen waren jedoch so stark, dass er darunter nicht mehr arbeitsfähig war. Auch dieser Therapieversuch musste beendet werden.
Anschließend erhielt er Sativex. Nach einigen Monaten entwickelten sich schwere Entzündungen und starke Reizungen im Mund und Rachen, sodass auch diese Behandlung dauerhaft beendet werden musste.
Erst nachdem sämtliche üblichen Therapien ausgeschöpft worden waren und keine wirksame oder verträgliche Alternative mehr zur Verfügung stand, übernahm die gesetzliche Krankenkasse schließlich die Kosten der ärztlich verordneten Behandlung mit medizinischen Cannabisblüten.
Seit dem Jahr 2015 wird mein Mann erfolgreich mit dieser Therapie behandelt. Er war sein Leben lang Nichtraucher. Die Cannabisblüten werden ausschließlich entsprechend der ärztlichen Verordnung mit einem medizinischen Vaporizer angewendet. Sie werden nicht geraucht. Diese Therapie wurde nicht leichtfertig gewählt. Sie war die letzte verbliebene Behandlungsmöglichkeit, nachdem sämtliche anerkannten Therapien ausgeschöpft worden waren.
Diese Behandlung hat ihm ein Stück seines Lebens zurückgegeben. Sie ermöglicht ihm, seine chronischen Schmerzen so weit zu kontrollieren, dass er weiterhin arbeiten kann. Sie ermöglicht ihm, morgens aufzustehen. Sie ermöglicht ihm, trotz seiner Erkrankung ein selbst bestimmtes Leben zu führen.
Auch seine autistischen Symptome haben sich unter dieser Behandlung deutlich verbessert. Seine Kommunikation, seine Reizverarbeitung und seine Belastbarkeit haben sich spürbar verbessert. Der Grund für die Verordnung war und ist jedoch ausschließlich seine chronischen Schmerzen.
Besonders wichtig ist für uns, dass dies nicht nur unsere persönliche Einschätzung ist. Der behandelnde Hausarzt bestätigt in einem aktuellen Attest ausdrücklich, dass mein Mann, seit dem Jahr 2015, erfolgreich mit medizinischen Cannabisblüten behandelt wird und dadurch seine Erwerbsfähigkeit erhalten werden konnte. Gleichzeitig bestätigt er, dass bei einem Wegfall dieser Therapie seine Erwerbsfähigkeit erheblich gefährdet wäre.
Genau davor haben wir heute große Angst.
Durch die Streichung der Kostenübernahme für Cannabisblüten verliert mein Mann nicht einfach ein Medikament. Er verliert die einzige Behandlung, die nach vielen Jahren medizinischer Versuche, wirksam und gleichzeitig verträglich geblieben ist. Für ihn gibt es keine gleichwertige Alternative. Sämtliche Opioide blieben ohne ausreichende Wirkung. Dronabinol machte ihn arbeitsunfähig und Sativex verursachte schwere Entzündungen und Reizungen im Mund und Rachen.
Was in der öffentlichen Diskussion häufig übersehen wird, ist die eigentliche Folge für den betroffenen Menschen. Sollte meinem Mann diese Therapie genommen werden, verliert er nicht nur seine Arbeitsfähigkeit. Er müsste dauerhaft mit Schmerzen der Intensität 9 bis 10 leben. Das bedeutet nahezu unerträgliche Dauerschmerzen, jeden einzelnen Tag. Es geht hier nicht um den Wunsch nach einer bestimmten Therapie. Es geht um die Frage, ob ein Mensch, für den nachweislich keine andere wirksame und verträgliche Behandlung mehr zur Verfügung steht, gezwungen werden darf, dauerhaft nahezu unerträgliche Schmerzen zu ertragen, obwohl eine seit Jahren bewährte und wirksame Therapie existiert.
Die medizinischen Cannabisblüten sind deshalb keine Wunschtherapie, sondern das Ergebnis eines langen medizinischen Weges, an dessen Ende alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft waren.
Neben den menschlichen Folgen beschäftigt uns auch die wirtschaftliche Seite dieser Entwicklung. Trotz seiner schweren Erkrankung arbeitet mein Mann bis heute weiter. Er zahlt Steuern und Sozialversicherungsbeiträge und möchte nichts lieber, als auch in Zukunft berufstätig bleiben. Sein Ziel war nie, weniger zu arbeiten, sondern trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen weiterhin seinen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.
Sollte diese Therapie wegfallen und mein Mann dadurch seine verbliebene Arbeitsfähigkeit verlieren, hätte das nicht nur für ihn persönlich schwerwiegende Folgen. Aus einem Menschen, der trotz schwerer chronischer Erkrankung weiterhin arbeitet und seinen Lebensunterhalt selbst verdient, könnte ein vollständig erwerbsgeminderter Patient werden. Damit entstünden dem Sozial- und Gesundheitssystem voraussichtlich deutlich höhere Kosten als durch die Fortführung seiner bisherigen Therapie. Hinzu kämen höhere Rentenzahlungen, weitere medizinische Behandlungen, sowie zusätzliche Sozialleistungen. Wir verstehen selbstverständlich, dass das Gesundheitssystem wirtschaftlich handeln muss. Gerade deshalb fragen wir uns, ob eine Regelung, die einem arbeitenden, chronisch kranken Menschen seine einzige wirksame Therapie nimmt, am Ende tatsächlich Kosten spart oder ob sie nicht vielmehr deutlich höhere Folgekosten verursacht.
Auch unsere persönliche Situation verschärft diese Sorge. Ich selbst bin schwerbehindert und habe einen Grad der Behinderung von 100. Aufgrund meiner gesundheitlichen Einschränkungen ist es mir kaum möglich, einer regulären Beschäftigung nachzugehen. Deshalb versuche ich seit Jahren, mir als Künstlerin eine selbstständige Existenz aufzubauen. Leider reicht mein Einkommen derzeit noch nicht aus, um davon leben zu können.
Seit Jahren kämpfen wir gemeinsam darum, möglichst unabhängig zu bleiben und unseren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Wir wünschen uns keine Sonderbehandlung. Unser einziger Wunsch ist, dass die einzige Therapie erhalten bleibt, die meinem Mann seit mehr als zehn Jahren ermöglicht, trotz seiner schweren Erkrankung weiterhin berufstätig zu sein und ein würdevolles Leben ohne nahezu unerträgliche Dauerschmerzen zu führen.
Mit diesem Schreiben möchten wir kein Mitleid erwecken. Unser Anliegen ist es, auf die Situation vieler chronisch kranker Menschen aufmerksam zu machen, deren einzige wirksame Therapie auf dem Spiel steht. Der Fall meines Mannes steht stellvertretend für viele Betroffene, die nach einem jahrelangen medizinischen Behandlungsweg endlich eine wirksame Therapie gefunden haben und nun befürchten müssen, diese wieder zu verlieren.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unseren Fall journalistisch aufgreifen und damit auch den vielen Menschen eine Stimme geben, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.
Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihr Interesse.
M. 41 Jahre, Cannabispatient*in
Meiner Geschichte, die ich mit Unterstützung zusammengefasst habe, da ich ohne Hilfe, dazu nicht in der Lage wäre:
1. Diagnosen & Medizinische Ausgangslage
• Schweres idiopathisches Restless-Legs-Syndrom (RLS) mit ausgeprägter Zunahme der Symptomatik beim Hinlegen (einschließlich schwerer Zuckungen und Schmerzen)
• Therapieresistentes Restless-Legs-Syndrom
• Sekundäre, hochgradige chronische Insomnie
• Chronische Schmerzerkrankung
• Bekannte, lebensgefährliche Agranulozytose auf Novaminsulfon
2. Bisherige, erfolglose Therapieversuche & Unverträglichkeiten
• Dopaminagonisten / L-Dopa: Pramipexol, Rotigotin-Pflaster, Levodopa (Wirkverlust nach kurzer Zeit bzw. Zunahme der Symptomatik).
• Gabapentinoide: Pregabalin (starke Benommenheit, innerliche Unruhe).
• Opioide: Tilidin, Buprenorphin-Pflaster (abgesetzt wegen kutaner Allergie/Dermatose), Oxycodon/Naloxon (Targin 20/10 mg).
• Nicht-medikamentöse Therapien: Eisensubstitution, B12-Substitution, Akupunktur, TENS, naturheilkundliche Verfahren.
• Orale / Oro-mukosale Cannabinoide:
◦ Sativex: Wegen massiver Läsionen/Entzündungen der Mundschleimhaut nicht anwendbar.
◦ Dronabinol: Kein Wirkeintritt bei akuten nächtlichen Symptomspitzen aufgrund der verzögerten enteralen Resorption.
3. Wirksamkeit der Blüten-Therapie
Seit der Genehmigung der Kostenübernahme im Jahr 2020 durch die Krankenkasse führt ausschließlich die inhalative Anwendung von Cannabisblüten zu einer raschen Anflutung des Wirkstoffs. Nur so lassen sich die nächtlichen Bewegungsunruhen reduzieren, sodass wenigstens etwas Schlaf erreicht wird und mir etwas Lebensqualität zurückgegeben wird. Unter der Blütentherapie konnte die hochdosierte Opiatmedikation (Targin) erfolgreich von 20mg auf 10 mg reduziert werden.
4. Auswirkung des Erstattungsausschlusses
Als Bezieher einer EU Rente ist eine Eigenfinanzierung der benötigten Blütenmedikation finanziell unmöglich. Der Wegfall des Leistungsanspruchs führt zu einer unmittelbaren Unterbrechung einer funktionierenden Behandlung, massiven Schlafentzug, sowie zur Rückkehr unerträglicher Schmerzzustände. Eine Alternative gibt es nicht.
Cannabis hat mir zumindest etwas an Lebensqualität zurückgegeben. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich ohne Cannabisblüten noch hier wäre. Vor der Therapie (2020) war ich so verzweifelt, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, mir die Beine abzuhacken. Es fühlt sich zeitweise wie Folter an. Ich bin wirklich verzweifelt und weiß nicht, was ich machen soll und wie es weitergeht.
Ein Wegfall der Blüten-Therapie würde erhebliche Folgekosten für Medikamente, sowie Arzt und Klinikbesuche verursachen. Am Ende hat die Krankenkasse mehr Kosten als mit der Blüten-Therapie.
Ich hoffe wir können zusammen etwas erreichen.
C. 40 Jahre, Cannabispatient*in
24 Jahre Kampf gegen Clusterkopfschmerzen
Seit über 24 Jahren lebe ich mit chronischen, therapierefraktären Clusterkopfschmerzen. Die ersten Attacken traten mit 16 Jahren auf, die richtige Diagnose erhielt ich jedoch erst acht Jahre später, mit 24. Diese acht Jahre waren vermutlich die schlimmsten meines Lebens. Immer wieder wurde ich als Migränepatient oder mit ‘normalen Kopfschmerzen’ behandelt, ohne die richtige Behandlung oder Medikamente zu bekommen. Jede einzelne Attacke musste ich aushalten, bis sie von selbst wieder abklang. Die Schmerzen waren so unerträglich, dass ich während der Attacken mehrfach das Bewusstsein verlor. Diese Zeit war geprägt von Verzweiflung, Hilflosigkeit und dem Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Weil die Erkrankung mit 16 begann, fiel die Diagnose genau in die Lebensphase, in der andere ihre Zukunft aufbauen. Während Gleichaltrige eine Ausbildung machten, Geld verdienten und Schritt für Schritt selbstständig wurden, kämpfte ich jeden Tag ums Durchhalten. Statt Zukunftspläne zu schmieden, hatte ich Angst vor der nächsten Attacke und zeitweise sogar davor, an diesen Schmerzen zu sterben, weil ich nicht wusste, was mit mir los ist. Dieser ständige Druck und die Ungewissheit haben mich völlig gelähmt. Mir waren die Hände gebunden ich konnte in dieser entscheidenden Zeit weder beruflich noch privat die Grundlagen für mein späteres Leben aufbauen. Mit der Zeit zog ich mich immer mehr aus dem sozialen Leben zurück. Nicht, weil ich es wollte, sondern weil ich Angst hatte, in der Öffentlichkeit eine schwere Attacke zu bekommen. Egal ob im Zug, im Freibad, an Karneval oder bei anderen Unternehmungen immer wieder geriet ich in Situationen, in denen Menschen nicht verstanden, was mit mir geschah.
Statt Mitgefühl erlebte ich oft irritierte Blicke. Einmal wurde ich sogar für betrunken gehalten. Irgendwann hörte ich auf, mit Freunden feiern zu gehen oder spontane Dinge zu unternehmen.
Die Angst vor der nächsten Attacke war größer als die Freude am Leben.
Nach der Diagnose begann ein jahrelanger Kampf. Ich habe jede zugelassene Therapie ausprobiert, viele sogar mehrfach und nahm zusätzlich an Heil- und Therapieversuchen mit neuen, noch nicht zugelassenen Methoden teil. Dazu gehörten unter anderem hochdosierte Triptane, Sauerstoff, Verapamil, Lithium, Antiepileptika, Antidepressiva, Ketamin, Nervenblockaden und immer wieder hochdosiertes Kortison.
Vieles half nicht oder führte zu schweren Nebenwirkungen. Die Folgen begleiten mich bis heute. Durch die jahrelangen Kortisontherapien entwickelten sich bei mir beidseitige Hüftkopfnekrosen, die meine Mobilität dauerhaft einschränken.
Hinzu kamen zwei Herzmuskelentzündungen. Trotzdem bestimmen die Clusterkopfschmerzen weiterhin meinen Alltag. An guten Tagen sind es vier bis fünf Attacken innerhalb von 24 Stunden. In schweren Phasen bis zu zwölf täglich. Die Schmerzen machen keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht. Auch im Schlaf gibt es keine Ruhe. Oft werde ich alle zwei Stunden von einer neuen Attacke geweckt, muss sofort meine Akutmedikation anwenden und warten, bis die Schmerzen langsam nachlassen. Irgendwann, erschöpft von der Attacke und den Nebenwirkungen der Medikamente, schlafe ich wieder ein. Doch oft beginnt nach etwa zwei Stunden alles von vorn. Erholsamer Schlaf ist unter diesen Umständen kaum möglich. Diese ständige körperliche und mentale Erschöpfung begleitet mich seit vielen Jahren und beeinflusst jeden Bereich meines Lebens. Clusterkopfschmerzen zählen zu den stärksten bekannten Schmerzformen überhaupt. Doch neben den körperlichen Schmerzen ist die psychische Belastung durch den ständigen Kreislauf aus Schmerz, Angst vor der nächsten Attacke, Schlafmangel und Erschöpfung mindestens ebenso zermürbend. Dieser Druck begleitet mich Tag für Tag.
Er nimmt mir Schritt für Schritt Kraft, Lebensfreude und Hoffnung. Trotzdem kämpfe ich jeden einzelnen Tag weiter. Erst mit medizinischem Cannabis fand ich eine Therapie, die mir tatsächlich geholfen hat. Sie hat mich nicht geheilt, aber sie hat mir ein Stück Lebensqualität zurückgegeben. Die Attacken wurden etwas kontrollierbarer, ich konnte wieder aktiver am Leben teilnehmen und endlich wieder Momente mit meiner Familie genießen. Nach Jahrzehnten, in denen nahezu alle verfügbaren Therapien versagt hatten, war das die erste Behandlung, die mir spürbar geholfen hat. Besonders hart trifft mich die aktuelle Gesetzesänderung. Nach über24 Jahren Leidensweg und endlich einer Therapie, die hilft, soll diese Behandlung nun nicht mehr wie bisher verfügbar sein. Für Menschen wie mich gibt es keine Übergangsregelung. Es fühlt sich an, als würde man mir nach all den Jahren den Boden unter den Füßen wegziehen. Ich wünsche mir, dass bei solchen Entscheidungen gesehen wird, was das für den Alltag eines einzelnen Patienten bedeutet, der einfach nur weiterleben möchte.
A. 43 Jahre, Cannabispatient*in
Geboren in der DDR, unwissentlich als Adoptivkind aufgewachsen, im Wesentlichen von Adoptiv-Großeltern aufgezogen.
Seit frühster Kindheitserinnerung Gewalterfahrungen im elterlichen Haushalt bei Alkoholerkrankung des Adoptiv-Vaters.
Als Kind ADHS, nicht diagnostiziert, entsprechend Probleme in der Schule, Konzentrationsstörungen, Lese- und Rechtschreibschwäche, extreme Ablenkbarkeit....
Schon als Kind Zugang zu Zigaretten und Alkohol, bei fehlender Aufsicht. Hierdurch ergab sich ein alkoholisierter Sturz aus ca. 3m Höhe mit dem Rücken auf einen Stahlträger. Trotz großer Schmerzen wurde das Ereignis vertuscht, damit sich keine anderen negativen Konsequenzen (Gewalt als Erziehungsmethode) daraus ergeben konnten.
Durch mangelnde Förderung aus dem Elternhaus die Schule frühzeitig abgebrochen. Abrutsch in die Szene.
Konsum verschiedener illegaler Substanzen und Cannabis.
Hierdurch mit Gesetz in Konflikt gekommen, was dazu geführt hat, dass die erste Therapie in Form einer Drogentherapie stattgefunden hat.
Da sich die Beschwerden nicht besserten erneut Konsum von Cannabis. Da dies nur auf illegalem Weg zu beziehen war, war auch der Kontakt zu allen anderen Drogen wieder da, inklusive der „sozialen“ Kontakte. Dieser Teil der Geschichte wiederholte sich noch 2 Mal.
In dieser Zeit begannen dann auch zusehends Rückenschmerzen im Bereich des mittleren Rückens. Das Thema wurde mit Ibuprofen und der Aussage der Therapeuten, es könnten ja auch psychosomatische Schmerzen sein, abgehakt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich jedoch selbst den Sturz in der Kindheit nicht auf dem Schirm.
2012 dann Schnauze voll von „de Janze“ und erste selbst-erwählte Therapie mit einem Psychologen. Dieser übernahm die Diagnosen aus den Drogentherapien: Depression und Angststörung mit Sozialphobie bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung aus der Kindheit und mehreren Gefängnisaufenthalten. Das ADHS wurde dabei außen vorgelassen.
Die erste pharmakologische Unterstützung der Therapie erfolgte mittels Lyrica, hierunter Zunahme der Verwirrtheit/ ADHS-bedingten Konzentrationsstörungen und Gedankensprüngen, nichts desto trotz wurde nur das Medikament weiter gesteigert bis auf 450mg/d.
Statt einer Verbesserung der Symptome gesellten sich zu den vorhandenen jetzt auch noch eine Erektionsstörung.
Ende 2012 dann Umstellung auf Venlafaxin 150mg 1-0-1. Auch hierunter keine Besserung der schon bestehenden Symptomatik, Weiterbestehen der Erektionsstörung, jetzt noch zusätzlich Übelkeit und Ein- und Durchschlafstörungen. Schon eine kurze Zeit nach der Umstellung trat dann noch ein unkontrollierbares Zittern in allen Gliedmaßen auf und die „Verwirrtheit“ nahm merklich zu.
Was ich als Hilfe gegen meine Depression und weiteren Alltagsschwierigkeiten in Angriff genommen hatte, brachte mich stattdessen immer weiter hinein.
2013 dann erneute Änderung der Medikation auf Mirtazapin 200mg/d am Abend. Hierunter entwickelten sich zusätzlich Alpträume, aus denen ich schweißgebadet erwachte. Was den Schlaf noch weniger erholsam machte als eh schon. Außerdem litt ich an einer unkontrollierten Gewichtszunahme (von ca. 85kg auf schlussendlich 130kg) und Fressattacken unter der Medikation und nachfolgend die Entwicklung einer Gicht.
Die Empfehlung des Therapeuten war mit der Medikation fortzufahren, das bräuchte Zeit sich einzuspielen.
Als es das nicht tat wurde Ende 2013 auf Stangyl umgestellt. Das schien initial ganz gut, einschlafen ging leichter, Durchschlafen leider nicht. Alpträume blieben. Arbeiten durch Brain Fog fast nicht möglich, deswegen auch Probleme auf der Arbeit.
Die Konsequenz des Therapeuten war die Dosis zu erhöhen. Und es entwickelte sich eine allergische Reaktion mit Pusteln und Juckreiz.
Die anderen Probleme, wie gedrückte Stimmung, Sozialphobie und hartnäckige Erektionsstörungen waren mir ja die ganze Zeit erhalten geblieben und hatten sich aufgrund der Umstände weiter verschlechtert.
Als ich kurz davor war wirklich an Selbstmord zu denken, wechselte mein Therapeut erneut das Medikament. Diesmal auf Doxepin. Auch hierunter keinerlei Besserung.
Ich gab kurzfristig dem Alkohol den Vortritt und Unterbrach die Therapie. Allerdings war diese „Selbstmedikation“ letztlich weder zielführend noch im Kontext der Familiengeschichte erstrebenswert für mich.
Ende 2016 dann erneut Versuch einer medikamentös gestützten Therapie. Diesmal das Medikament Seroquel. Es half vor allem beim Einschlafen, ansonsten wenig Veränderung, Stimmung gedrückt, Durchschlafstörungen, sozial abgekapselt, immer wieder starke Schmerzen, gegen die Ibuprofen nicht wirklich half, weiterhin Erektionsstörungen, massives Übergewicht, bei dem es auch nicht mehr darauf ankam ob man aß oder nicht.
2017 begab ich mich auf einen Tipp hin in die Neurologie nach Reutlingen. Der Ersttermin ergab sich dann jedoch erst Anfang 2018. Jetzt wurde mir zusätzlich zu Seroquel Escitalopram verordnet. Darunter entwickelte sich eine Dauermigräne und erneut Selbstmordgedanken. Ich wurde erneut umgestellt auf Elontril 150mg.
Ich kam mir allmählich wie ein Versuchskaninchen vor. Das Elontrill wirkte wie 50 Tassen Espresso auf einmal, gleichzeitig war mir speiübel und ich konnte mich eigentlich gar nicht mehr konzentrieren.
Diese ganze Therapiezeit über hatte ich die Finger von allen Drogen gelassen und es ging mir schlechter als je zuvor.
Eigentlich hatte ich kein Leben mehr, keine Freunde, keine Hobbys, fett antriebslos und impotent, schmerzgeplagt, mit Begleiterkrankung wie Gicht und die Vorstufe zum Diabetes dadurch auch sozial maximal gehemmt und ängstlich.
Ende 2018 wollte man mich auf Valdoxan umstellen und bei der Aussage: „Wenn die nicht helfen haben wir noch einen ganzen Koffer bunter Pillen, die dann vielleicht helfen.“ Ist mir endgültig der Kragen geplatzt und ich habe die Therapie beendet. Die Medikamente konnte ich jedoch so schnell nicht absetzen, da sich eine Entzugsproblematik ergab.
In Zusammenarbeit mit einem ganzheitlichen Mediziner konnte unter einer vorsichtigen Aufnahme einer kontrollierten Cannabistherapie die Medikation vorsichtig ausgeschlichen werden. Sehr langsam verbesserte sich der allgemeine Zustand. Zunächst besserte sich die Stimmung und es wurde möglich wieder am sozialen Leben teil zu nehmen und dabei Freunde zu empfinden. Der Schlaf blieb mir und andere Symptome schwächten sich langsam ab.
Mitte 2019 fand ich die Kraft mich einer strengen Diät zu unterziehen und konnte mein Gewicht erfolgreich auf ein Normalgewicht reduzieren. Nachdem dies gelungen war, regulierte sich der Blutzuckerhaushalt, die Gicht war weg und es war ein echtes Highlight morgens wieder mit einer Erektion aufzuwachen.
Ich bin inzwischen seit 2019 erfolgreich mit Cannabisblüten zur Inhalation medikamentiert. Meine Schmerzen sind deutlich reduziert, ich kann mein Gewicht halten, mein Leben hat wieder Inhalt (Frau, Freunde, Hobbys, Lebensfreude) und ich gehe seit Jahren einer geregelten Arbeit nach. Seit Beginn der Therapie die zunächst Privatärztlich erfolgte, bis zum 10.02.2023, rang ich einen erbitterten Kampf mit der Krankenkasse und dem MDK um die Erstattung der Kosten für mein Medikament.
Bis dahin hatte ich meine gesamte Kohle entweder in Medikamente oder in meinen Anwalt investiert bis ich die Kostenübernahmezusage der Krankenkasse hatte.
Das neue Gesetz hat mich getroffen wie ein Schlag ins Gesicht. Soll jetzt alles umsonst gewesen sein? Soll das Ganze jetzt von vorne losgehen? Versuchsreihe wieviel bis man sieht es wird nix?
Fakt ist ich habe ein Medikament welches mir direkt hilft, wenn ich es inhalativ zu mir nehme. Dieses Medikament ist nicht einfach durch Extrakte zu ersetzen, da diese einen ganz anderen Wirkungsverlauf haben. Auch kann ich nicht beurteilen, ob sie in der gleichen Weise steuerbar funktionieren. All das müsste zunächst erst in Versuchen, in welchen ich dann jedoch kein Fahrzeug führen sollte, langwierig erprobt werden. Dies würde wiederum zu Arbeitsausfällen und ähnlichem führen.
Ich kann mich also in allen Punkten wieder auf null setzen. Ich bin seit Jahren erfolgreich resozialisiert und kann es mir trotzdem auf Dauer nicht leisten mein Medikament privat zu bezahlen. Ich möchte auch nicht mehr an mir rumexperimentieren, ob etwas hilft oder nicht. Ich zahle in die Kasse ein und möchte haben was mir zusteht zumal es genehmigt wurde.
C. 44 Jahre, Cannabispatient*in
Ich leide an folgender Erkrankung:
Chronische Schmerzsyndrome aufgrund mehrerer Bandscheibenvorfälle in der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, Skoliose, juvenile Osteochondrose, chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, ADHS, sowie eine mittelgradige Depression.
Nach zahlreichen schulmedizinischen Behandlungsversuchen, die keine ausreichende Linderung meiner Beschwerden erzielen konnten, galt ich hinsichtlich meiner Schmerztherapie als weitgehend austherapiert. Auch mehrere Behandlungsversuche mit Cannabisextrakten führten bei mir nicht zum gewünschten therapeutischen Erfolg.
Aus diesem Grund werde ich seit dem 07. Dezember 2021 ärztlich mit medizinischen Cannabisblüten behandelt. Aufgrund ihrer schnellen Wirkung helfen sie mir insbesondere dabei, akute Schmerzspitzen zeitnah zu behandeln und dadurch meinen Alltag überhaupt bewältigen zu können.
Seit dem 20. Juli 2023 besteht für diese Therapie eine Kostenübernahme durch meine gesetzliche Krankenversicherung.
Vor Beginn dieser Therapie war mein Alltag von erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen geprägt. Ich litt unter:
Dauerhaften Schmerzen, starken körperlichen Einschränkungen, Erschöpfung, Schlafproblemen sowie erheblichen Schwierigkeiten bei Konzentration und Alltagsbewältigung.
Die Beschwerden beeinträchtigten meine Lebensqualität massiv und machten eine regelmäßige berufliche Tätigkeit unmöglich.
Erst durch die Behandlung mit medizinischem Cannabis konnte sich meine Situation deutlich verbessern.
Heute kann ich unter anderem:
Meine Schmerzen besser kontrollieren, den Alltag selbstständiger bewältigen, Termine wahrnehmen, soziale Kontakte pflegen und alltägliche Aufgaben zuverlässiger erledigen.
Die Therapie ermöglicht mir ein höheres Maß an Lebensqualität und gesellschaftlicher Teilhabe, als dies zuvor möglich war.
Sollte die Kostenübernahme für meine Therapie entfallen oder meine Versorgung erheblich eingeschränkt werden, hätte das für mich schwerwiegende Folgen. Eine weitere soziale Isolation, den Verlust von Selbstständigkeit im Alltag und eine deutliche Verschlechterung meiner ohnehin bereits stark eingeschränkten Lebensqualität.
Ich befürchte insbesondere:
• eine deutliche Verschlechterung meines Gesundheitszustandes,
• stärkere Schmerzen bzw. Beschwerden,
• den Verlust meiner Selbstständigkeit,
• eine weitere Einschränkung meiner Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe und eine zusätzliche Erschwerung einer zukünftigen beruflichen Perspektive,
• erhebliche finanzielle Belastungen, weil ich die Behandlung selbst bezahlen müsste.
Ich bitte Sie deshalb eindringlich, die Situation schwerkranker Patient*innen bei Ihren politischen Entscheidungen zu berücksichtigen.
Ich wünsche mir, dass medizinisch notwendige Cannabistherapien weiterhin nach den individuellen Bedürfnissen der Patient*innen und auf Grundlage der ärztlichen Entscheidung ermöglicht werden.
Bitte bedenken Sie, dass hinter jeder Zahl in einer Statistik ein Mensch steht, der täglich mit seiner Erkrankung lebt.
Ich möchte Sie persönlich fragen:
„Können Sie sich vorstellen, wie es wäre, wenn eine wirksame Therapie, die Ihnen Lebensqualität, Selbstständigkeit und Hoffnung zurückgegeben hat, aus finanziellen Gründen plötzlich nicht mehr erreichbar wäre?“
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich für eine patientengerechte und medizinisch verantwortbare Versorgung einsetzen und meine Anliegen in Ihre parlamentarische Arbeit einbeziehen.
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mein Schreiben zu lesen.
N. 51 Jahre, Cannabispatient*in
Hm, wo da Anfangen, am Anfang hat es geheißen.
Also, am Anfang war ich klein und meine Mum alleinerziehende Hippiemama mit Haschisch- rauchenden Freunden. Das hatte mehrere Aspekte.
Es war gut, es war auch schlecht. Am meisten geprägt hat mich immer das Damoklesschwert der Illegalität, schon früh hieß es, das darfst du niemandem erzählen, sonst komme ich in den Knast. Ein guter Freund meiner Mutter ist, weil er mit Kiff erwischt wurde, ins Ausland geflüchtet, damit er nicht ins Gefängnis muss und kam erst nach Jahren wieder. Andererseits fand ich den Geruch immer interessant.
In der Schule zeigte sich dann bei mir eine sogenannte Legasthenie, genau genommen eine Rechtschreib- und Rechenschwäche bei einer eigentlich sehr schnellen Auffassungsgabe und großem Spieltrieb, also nach heutiger Definition ein typisch weibliches ADHS mit z.T. Hyperfokus bei bestehenden anderen Schwächen.
Mit 8 Jahren bekam ich dann eine Zahnspangentherapie, welche nach heutigem Maßstab grob und eher destruktiv war. Damals fing es bei mir mit der Zähneknirscherei an. Mit Ende der Grundschule erinnere ich mich, haben im Oberkiefer schon die Spitzen der Eckzähne gefehlt.
Ich habe immer gut funktioniert, das musste ich auch, wollte ich es doch meiner alleinerziehenden Mutter nicht noch schwerer machen.
Mit 12 Jahren bekam ich einen M. Scheuermann diagnostiziert und hatte über viele Jahre Physiotherapie, immer mit der Drohung eines Korsetts im Nacken.
Meine Mutter kam dann auf Thai Chi, das hat mir und meinem Rücken mehr gebracht als die ganze Physio. Aber Rückenschmerzen begleiten mich einfach seit ich 12 bin.
Trotz Pubertät, angelerntes Rebellentum und Kifferei, war mein eigener Anspruch ans Leben, bei einem unumstößlichen Ehrgeiz, es in die Medizin zu schaffen. Dies habe ich mit viel Mühe, Nachhilfe und Selbstmedikation, bezüglich meines ADHS mit Cannabis, durch die Schule und das Medizinstudium geschlagen.
Wie das so ist, hält auch das Erwachsenenleben einiges für einen bereit. Reizdarm aufgrund eines maximalen Mikronährstoffmangels bei Krankenhauskantinen – Ernährung, gepaart mit verschiedenen Allergien, ein ausgeprägter Vitamin D Mangel im einstelligen Bereich durch Schichtdienst und sonnenempfindlicher Haut.
Nach einer Ausschabung 2015 kam es zu inversen Monatsblutungen mit entsprechenden intraabdominellen Adhäsionen (Verklebungen im Bauchraum), die Inversen Blutungen konnten mittels einer Lapraskopie behoben werden.
Die Verklebungen sollten mir erst ein paar Jahre später zum Verhängnis werden, nämlich bei der Entfernung meines Uterus, wegen eines großen Myoms, welches mir tatsächlich Beschwerden durch einen venösen Rückstau ins linke Bein und einer beginnenden Dranginkontinenz bereitet hat.
Die OP dauerte wegen der Bridenlösungen sehr lange und es ergab sich ein größerer Flurschaden im Bereich des OP-Gebiets als initial erwartet. Dies hatte einen klassischen postoperativen Ileus zur Folge, sprich mein Darm hat sich entzündungsreaktiv gar nicht mehr bewegt bzw. alles nur hin und zurück geschoben.
Das waren abartige Schmerzen, gepaart mit einer unsäglichen Übelkeit. Ich wurde daraufhin am 5. Post-OP-Tag mit einer beginnenden Durchwanderungsperitonitis, einem handfesten Ileus wieder eingeliefert und fühlte mich entsprechend sterbenskrank. Aber als Patient gilt das eigene Wort als Arzt nichts mehr und so wurden meine Bitten um Darm-Stimulation und Abführhilfe in den Wind geschlagen. Ich war zu schwach mich zu wehren.
Erst 2 Tage später kam ich dann endlich ins CT. Darauf hatte ich schon sehnlich gewartet. Ich erhoffte mir von der abführenden Wirkung des gastral verabreichten Kontrastmittels zu profitieren. So kam es dann Gott sei Dank auch und ich behaupte bis heute, die Radiologie hat mich gerettet. Auch im abschließenden Arztbrief fand sich der Ileus nicht wieder, sondern nur abdominelle Beschwerden, die Gynäkologen hatten das Krankheitsbild offensichtlich gar nicht gekannt.
Nebenbei sei erwähnt, dass ich auf Novalgin zusätzlich mit Übelkeit reagiert habe, Buscopan meinen Darm extrem träge macht, genauso Opiate und es die Ileus-bedingten Reaktionen meines Darms wieder voll aktiviert.
Seit diesem gerade so überlebten Bauch-OP-Desaster habe ich, sobald ich Stress habe oder mein Reizdarm anspringt, das Problem, dass der Darm beleidigt reagiert, bockt und es mir rattenschlecht wird. Das bessert sich erst, wenn ich erfolgreich abgeführt habe. Es verläuft jedoch seit der OP in Etappen, da irgendeine Bride das Abführen am Stück verhindert. Es geht, was in der Ampulle ist, der Rest muss erst nachrutschen, pressen verschlechtert alles nur. Die ersten Wochen und Monate war dieses Phänomen so schlimm, dass ich teils nicht arbeitsfähig war.
Das Cannabis, welches ich zuvor schon illegal selbst-medikamentierend gegen das ADHS und die persistierenden Rückenschmerzen eingesetzt hatte, half bei dieser Problematik sehr gut das System zu beruhigen. Nach 10 min löste sich die Übelkeit auf. Ich hatte nun mehr als genug gute Gründe mich mit dem Cannabis zu outen und auf meinen Hausarzt zuzugehen, um nach einer Verschreibung zu bitten. Auch um aus der Illegalität raus zu kommen, welche schon mein ganzes Leben und das meiner Mutter mächtig beeinträchtigt hatte und irgendwie auch PTBS-mäßig nachwirkt.
Dieser hat mich dankenswerter Weise unterstützt und mir das Medikament zunächst auf Privatrezept verordnet. Da dies jedoch ein Kostenfaktor ist, hatte ich eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse beantragt. Diese wurde jedoch zunächst wegen fehlender Befunde abgelehnt.
Bevor ein erneuter Anlauf zu Stande kam, ging mein Hausarzt in Ruhestand. Sein Nachfolger hat mir trotz allem weiterhin die Privatrezepte ausgestellt. Ich habe es weiterhin offiziell über einen anderen Arzt verordnen lassen, um irgendwelchen möglichen Vorwürfen von Beschaffung auszuweichen. Ich war endlich aus dem Versteckspiel raus und wollte auch nicht mittels selbstgenerierter Privatrezepte als Anästhesistin mit Arztausweis da wieder rein.
Nach der Teillegalisierung sah die Situation jedoch anders aus. Die Verordnungshoheit lag nun wieder bei dem behandelnden Arzt, sofern er Befugnis und Kenntnis hatte. Ich bat ihn um eine Verordnung auf Kasse, da ich ja auch in diese einzahle und das Medikament als solches verordnungsfähig war. Dies hat mein behandelnder Hausarzt dann auch umgesetzt.
Das neue Gesetz von Frau Warken trifft mich nicht nur als Cannabispatientin, Patientin im Allgemeinen, als Ärztin, sondern auch und vor allem als Beitragszahlerin und als Mensch.
Da verfügt die Politik in einer Weise über eine medizinische Therapie, die ihr ohne ausreichende Fachkenntnis einfach nicht zusteht. Das ist als würde man Krebspatienten ihre funktionierende Medikation wegnehmen und sagen, „ihr müsst jetzt mit diesem neuen anderen Medikament weitermachen, ob es klappt wissen wir zwar nicht. Aber das macht doch nichts, oder?“
Oder einem Diabetiker seine Insulinspritze klauen und sagen, also die Tabletten müssen reichen.
Und der Witz ist, es geht hier nicht um die Kosten für die Kassen, weil die werden im Rahmen der Umstellung explodieren, sondern nur darum, dass man von oben ein Zeichen gegen die bösen Kiffer setzt. Was an sich schon eine Diskriminierung aller Cannabisnutzer seitens der bundesdeutschen Regierung ist.
Und, was mich wahrlich erstaunt, dass sich die Kassen als eigentlich große Lobby so bevormunden lassen. Ihnen ist nicht mal offen gelassen sich bei explodierenden Kosten wieder für die Kostenübernahme von Blüten zu entscheiden.
Wenn alle keine Ahnung mehr haben, obgleich sie die Profis sind und alles täglich machen und nur das Wort von oben zählt, egal ob kompetent oder nicht, und alles andere mundtot gemacht wird, nennt man das Diktatur.
S. 47 Jahre, Cannabispatient*in
Wenn Medizin zum Luxus wird- Mein Kampf um ein würdevolles Leben
Ich bin seit dem 18. April 2017 Cannabispatientin. Meine Behandlung wurde nach den gesetzlichen Vorgaben von meiner gesatzlichen Krankkasse genhmigt und über viele Jahre übernommen. Monatlich benötge ich 200g Cannabisblüten, sowie 45ml Dronabinol (25mg/ml) zur Behandlung einer schweren chronischen Schmerzsyndroms, ausgeprägter Spatiken und einer hemiplegischen Migräne.
Zum 30.07.2026 soll diese Therapie aufgrund der neuen gestzlichen Regelungen im Zusmannehang mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgestz nicht mehr von meiner KK bezahlt werden.
Für viele Menschen ist das lediglich eine Gesetzesänderung. Für mich beeutet es die reale Gefahr, alles zu verlieren, was ich ir über fast zehn Jahre mühsam zurück erkämpft habe.
Ich leben mit einer außergewöhnlichen hohen Zahl schwerster chronischer Erkrankungen. Dazu gehören unter anderem:
- Hypermobiles Ehlers-Danlos-Syndrom (hEDS)
- Neuromylitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD)
- Pseudotumor cerebri mit VP-Shunt-Versorgung und intrakranieller Hypertonie
- Chronoisches Schmerzsyndrom
- Ausgeprägte Spastiken
- Hemiplegische Migräne
- Zustand nach Schlaganfall im PICA-Stromgebiet
- Blindheit
- Polyneuropathie
- Linksseitige Fazialisparese
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Unklare Autoimmunerkrankung mit intrathekaler IgM-Synthese
- Autoimmune Gastritis
- Diabetes mellitus
- Hypothyreose
- Hämophilie bei von-Willebrand-Jürgens-Syndrom
- Lungenfibrose
- Asthma bronchiale
- Degenerative Erkrankung der gesamten Wirbelsäule
- Mutiple Bandscheibenvorfälle
- Facettengelenksarthrosen
- Neuroforamenstenosen
- Gonarthrose
- Massive Gelenkinstabilität nahezu aller Gelenke
- Zahlreiche schwerste Medikamentenallergien bis hin zu lebensbedrohlichen anaphylaktischen Reaktionen
Auf Grund meiner Gerinnungsstörung darf ich zudem keine NSAR einnehmen. Viele andere Medikamente kommen wegen meiner zahlreichen Allergien abenfalls nicht infrage. Dadurch bestehen nur sehr wenige therapeutische Alternativen.
Vor Beginn der Cannabistherapie war mein Leben geprägt von stärksten Schmerzen am gesamten Körper. Trotz einer hochdosierten Opioidtherapie mit Palladon 16mg viermal täglich, sowie zusätzlichem Morphin als Bedarfsmedikation waren die Schmerzen kaum zu kontrollieren. Ich war körperlich und psychisch am Ende.
Erst die Einstellung auf eine Cannabinoidtherapie in der Universitätsklinik veränderte mein Leben grundlegend.
Durch diese Therapie konnte ich meine Schmerzen erheblich reduzieren. Die Migräneattacken wurden deutlich seltener. Ich konnte die starken Betäubungmittel auf eine reine Bedarfsmedikation reduzieren. Asthmamedikmante wurden nicht mehr benötigt. Auch Medikamente gegen Diabetes und die Schilddrüsenerkrankung konnten abgesetzt werden. Pregabalin gegen die Spatiken war nicht mehr erforderlich.
Vor allem aber gewann ich etwas zurück, das für gesunde Menschen selbstverständlich ist:
LEBENSQUALITÄT
Ich konnte mich wieder besser bewegen. Ich war wieder deutlich mobiler. Meine Konzentration versbesserte sich. Ich konnte wieder am Leben teilnehmen und war nicht mehr ausschließlich damit beschäftigt, Schmerzen zu ertragen. Diese Verbesserung sind nicht dadurch entstanden, dass meine Erkrankungen geheilt wurden. Sie wurden ausschließlich dadurch möglich, dass endlich eine Therapie
Gefunden wurde, die bei meinem komplexen Karnkheitsbild tatsächlich wirkt.
Nun soll mr genau diese Therapie genommen werden- nicht weil sie medizinisch ungeeignet wäre, sondern aus finanziellen Gründen.
Ich bin dauerhaft erwerbsunfähig und kann mir eine private Finanzierung dieser Behandlung unmöglich leisten.
Ich habe große Angst.
Angst davor, wieder in den Zustand zurückzufallen, aus dem mich diese Therapie herausgeholt hat.
Ich weiß, was mich erwartet. Ich kenne diese unerträglichen Schmerzen. Ich kenne die völlige Erschöpfung. Ich kenne die Hilflosigkeit und die Verzweiflung.
Mit dem Wegfall meiner Cannabinoidtherapie werde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut auf hochdosierte Opioide angewiesen sein – obwohl deren Einsatz durch Cannabis deutlich reduziert werden konnte.
Ich werde einen großen Teil meiner Mobilität verlieren.
Ich werde meine mühsam zurückgewonnene Selbstständigkeit verlieren.
Ich werde einen erheblichen Teil meiner Lebensqualität verlieren.
Und das alles, obwohl seit fast zehn Jahren eindeutig bewiesenist, dass diese Therapie bei mir wirkt.
Für mich ist medizinisches Cannabis kein Genussmittel.
Es ist keine politische Diskussion.
Es ist keine Modeerscheinung.
Es ist ein unverzichtbares Arzneimittel, das mir ermöglicht, trotz schwerster Erkrankungen en würdevolles Leben zu führen.
Ich empfinde es al zutiefst ungerecht uns unmenschlich, wenn schwer chronisch kranke Menschen nach jahrelang genehmigter und erfolgreicher Behandlung plötzlich ihre wirksame Therapie verlieren sollen.
Was bedeutet eine Genhemigung der Krankenkasse noch, wenn sich Patientinnen und Patienten nicht mehr darauf verlassen können?
Wie soll Vertrauen iin unser Gesundheitssystem entstehen, wenn funktionierende Therapien aus Kostengründen beendet werden?
Ich wünsche mir keine Sonderrechte.
Ich wünsche mir lediglich, dass mir eine Therapie erhalten bleibt, die mein Leben seit fast zehn Jahren entscheidend verbesseert und die mir ein Mindestmaß an Würde, Selbstständigkeit und Lebensqualität ermöglicht.
Ich appelliere an Politik, Krankenkassen und alle Verantwortlichen:
Bitte sehen Sie nicht nur Zahlen in Haushaltsplänen.
Shene Sie die Menschen dahinter.
Denn hinter jeder eingesparten Therapie steht ein Mensch mit einer Geschichte.
Ich bin einer dieser Menschen.
Und ich habe Angst, dass man mir mit dem Ende der Kostenübernahme nicht nur meine Medikamente nimmt – sondern auch meine Hoffnung, meine Selbstständigkeit und das Leben, das ich mir trotz schwerster Erkrankung mühsam zurückerkämpft habe.